> Künstlerin | Biographie | Vita | Galerie | Kult | Kurz & Knapp |

 

.          Druckversion   Info über Amelie Fried

Amelie Fried über Juliane Werding:

Es gibt Künstler, die kommen nie aus der Mode. Die sind immer zeitgemäß, aber nie trendig. Die sind mehr bei sich als auf der gerade angesagten Welle. Und die erzählen uns von sich auf eine Weise, die uns beim Zuhören zu einem Teil des Erzählten macht.

Seit über fünfundzwanzig Jahren singt Juliane Werding über das Leben, die Liebe, über ihre Träume, Ängste und Phantasien. Ihre Musik hat sich verändert, ebenso wie ihre Texte, aber da auch sie sich verändert hat, ist sie sich dabei treu geblieben. Bei jeder neuen Platte konnte man feststellen, wo Juliane Werding gerade stand, an welchem Punkt ihrer Entwicklung als Persönlichkeit und als Sängerin sie angekommen war. In ihrem Leben ist die einzige Konstante die Veränderung. Nie ist sie auf einem Weg geblieben, nur weil er sich bewährt hat. Sie hat die Herausforderung gesucht, das Neue, das Risiko.

Trotz ihrer Erfolge als Sängerin hat sie andere Berufe gelernt, hat als PR-Frau und als Heilpraktikerin gearbeitet, beschäftigt sich mit Tarot, Buddhismus und spirituellen Fragen. Sie träumt davon, irgendwann Ethnologie oder Astrophysik zu studieren, und derzeit hat sie das Drehbuchschreiben für sich entdeckt. Schubladen sind nicht ihr Ding. Immer, wenn man dachte, nun hätte man sie irgendwo eingeordnet, brach sie wieder aus. Juliane, die Schlagersängerin? Längst vorbei. Juliane, die alternativ angehauchte Liedermacherin? Das war einmal. Juliane, die Vegetarierin? Bloß keine Dogmen. Juliane, die Spöken-kiekerin? Alles zu seiner Zeit. Juliane ist eine Suchende. Sie sucht ihren ganz persönlichen Weg, unbeirrt und hartnäckig. Dass sie dabei auch mal scheitert, macht sie umso glaubwürdiger.

Nie hat sie versucht, ihrem Publikum vorzuspielen, das Leben sei einfach. Sie ist kein Star im oberflächlichen, glamourösen Sinn. Sie misstraut dem schönen Schein. Ihre Lieder sind ihre Erfahrungen und Eindrücke von der Welt, aber sie spiegeln nicht einfach ihre Wahrnehmung, sondern verändern sie gleichzeitig. Indem sie aufschreibt, was sie sieht, gibt sie den Geschehnissen Gestalt und macht sie dadurch fassbar und fühlbar.

Juliane Werding hat eine ziemliche Strecke zurückgelegt, vom „Tag, als Conny Kramer starb“ bis zu den Songs auf ihrem neuen Album; den ganzen, langen Weg vom sechzehnjährigen Mädchen zur reifen Frau. Ihr Blick aufs Leben ist längst nicht abgeklärt; er ist mal wehmütig, mal humorvoll, mal träumerisch, mal kämpferisch - eben so, wie sie heute ist. Die neuen Songs sind unterschiedlich in der Stimmungslage, spielen mit Musikstilen vom Country-Song über den Blues bis zur Ballade, und sie alle erzählen Geschichten, in denen wir uns wieder finden können. „Heute Nacht ist sie ein Mann“ verarbeitet die unter Frauen sehr verbreitete Phantasie, einmal als Mann eine Frau zu lieben. „Der Hahn ist tot“ erzählt „nollig“-ironisch von einer Frau, die sich einen lästig gewordenen Liebhaber vom Hals schafft. Aus dem Titelsong „Es gibt kein Zurück“ sprechen die Kraft und der Lebenshunger von jemandem, der alles hinter sich lässt. Hinter dem scheinbar einfachen Titel „Das Leben ist schön“ verbirgt sich ein poetischer Song, dessen Essenz in dem liegt, was er nicht ausspricht. Beim Anhören von  „Schwarzer Mann“ entstehen sofort Kinobilder im Kopf, und tatsächlich haben Juliane und ihr Co-Texter Andreas Bärtels sich vom Kinofilm „From dusk till dawn“ inspirieren lassen. Der Song „Snowhite Baby“ ist Julianes sehr persönliche Erinnerung an einen jungen, talentierten Künstlerkollegen, der am Heroin zugrunde gegangen ist.

Juliane ist nie fertig. Es gibt immer etwas zu tun, was sie noch nicht getan hat. So hat sie im letzten Jahr als Schauspielerin debütiert, im Münchner Metropol Theater stand sie im Skandalstück „Vagina Monologe“ auf der Bühne. Eine ihrer typischen Spontan-Entscheidungen. Sie hatte nie zuvor Theater gespielt, aber ihre langjährige Auftrittserfahrung und die ausgebildete Stimme sorgten von Anfang an für Bühnenpräsenz. In einem Crashkurs eignete sie sich etwas „Handwerkszeug“ an - und sprang ins kalte Wasser. Ihr Mut wurde belohnt: Die Resonanz auf die Aufführung war gross, die Kritiken positiv.

„Es gibt kein Zurück“. Dieser unsentimentale Titel des neuen Albums drückt aus, worum es Juliane Werding geht: Erfahrungen machen, ohne Vergangenem nachzutrauern. Nach vorne sehen. Die Zeit mit möglichst viel Leben füllen. Das singt sie. Und das lebt sie.

 

Letzte Aktualisierung: 03. October 2006 | www.juliane-werding.de ||