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Aus der 15jährigen Schülerin Juliane Werding wurde sozusagen über Nacht ein "protestierender" Teenager-Star. Das allererste, für sie geschriebene Lied "Am Tag, als Conny Kramer starb" (eine Cover-Version des durch Bob Dylan und Joan Baez
bekannt gewordenen Titels "The Night They Drove Old Dixie Down") war sogleich ihr Erfolgstitel im Jahre 1972.
Mit diesem Schlager griff sie öffentlich das Problem des Drogenmißbrauchs in der BRD auf:
"Er war mein Freund und der erste Drogentote in Essen, meiner Heimatstadt. Nicht einmal der Tod veranlaßte die Presse, diese Problem aufzugreifen. Darüber war ich sehr empört. »
Eine Zeitlang arbeitete sie dann mit dem Sänger und Liedermacher Gunter Gabriel zusammen. Die Hits "Wenn du denkst, du denkst..." oder "Man muß das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist" stammen aus jener Zeit in den Mittsiebzigern.
Erwachsen geworden, wandelte sich natürlich ihr Image. Und in ihrer ein wenig frechen und dennoch romantischen Art zu singen, blieb sie weiterhin sehr erfolgreich.
Schließlich versuchte sie mit eigenen Songs neue Wege zu beschreiten (LP "Traumland" 1980). Aber der erwartete Erfolg stellte sich nicht ein.
Ernüchtert, dazu kamen noch Schwierigkeiten im alltäglichen Leben, brach sie die Laufbahn als Sängerin ab.
"Es gibt einfach zuviel, was mich am Musikgeschäft stört, vor allem die Dinge, de mit Vermarktung zu tun haben. "
Juliane Werding, nie ein Musikstudium absolvierend, wurde Fachfrau bei einer Münchner
Public Relations-Agentur, deren Spezialgebiet Medizin, Naturheilkunde und Psychologie sind. Es macht auch verständlich, das sie nebenbei Naturheilkunde studiert und in einigen Jahren als Heilpraktikerin eine eigene Praxis eröffnen will.
Die vorliegende Schallplatte präsentiert eine Zusammenstellung der bekanntesten Titel, drei LPs entnommen, die seit 1983 produziert wurden. Seit dem überraschenden Comeback, zu dem Freunde, darunter ihr jetziger Komponist und Produzent Harald Steinhauer, die Sängerin gedrängt hatten. Sie selber wählte dazu Mike Oldfields "Moonlight Shadow" aus und bat diesen Komponisten, seinen Hit in einer deutschen Version aufnehmen zu dürfen. Der Riesenerfolg einer "Nacht voll Schatten" gilt gleichsam als Neuanfang.
Ebenfalls der 1984 veröffentlichten LP "Ohne Angst' entstammen "Geh nicht in die Stadt (heut nacht)" und "Sonne auf der Hauf', eine deutsche Fassung von Nik Kershaws "Wouldn't it be good". Zugleich begann in jener Zeit die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Schlagertexter Michael Kunze.
Wir treffen uns regelmäßig und reden. Ich erzähle ihm von meinen Erlebnissen und meinen Eindrücken. Er schreibt sich viele meiner Worte auf und bearbeitet sich dann. "
Es sind Texte, mit denen sich viele identifizieren können, die manchmal kleine Geschichten erzählen und teils Wunschträume offenbaren. Und die Interpretin, stets auf der Suche, zeigt sich als moderne, emanzipierte und auch kritische Frau. Der Titelsong der bisher erfolgreichsten und vergoldeten LP "Sehnsucht ist unheilbar" (1986) ist ihr beispielsweise besonders wichtig:
"Der entstand aus Beobachtungen, die ich bei Beziehungen in meinem Freundeskreis gemacht habe, die alte nie richtig funktionierten. Ich war schockiert wie leicht es ist; in einen Trott zu fallen, sich für den Partner geradezu aufzugeben. Man stellt die eigenen Wünsch und Möglichkeiten, sich zu entfalten,
hinten an. Man gibt sich auf, damit man sich nicht verliert. Das finde ich überhaupt nicht gut. "
Drei Titel der 86er Platte flossen aus eigener Feder, mit 'Weich und warm" sogar ihr erstes Liebeslied, das sich natürlich auch in dieser Auswahl wiederfindet. Um den Tod geht es in "Stimmen im Wind".
Das ist eines meiner wesentlichen Themen. Nur wer sich mit dem Tod auseinandersetzt, kann wirklich glücklich leben. "
Und so besingt sie ganz eigenen Gemüts in einer Strophe, "denn Menschen, die sich lieben, sterben nie".
Zwischen Partnerschaft und Liebe, Leben und Tod pendeln die thematischen Gedanken, mit denen sich die Künstlerin auf so individuelle Weise zu einer bedeutenden Sängerin ihres Genres entwickelte.
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