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Zeit für
Engel - ein Album für Entdeckungen ...
Es gibt
Musiker-Namen, die nicht nur an ein bestimmtes Stück, ein erfolgreiches
Album, an ein Foto denken lassen, sondern die einen ganz eigenen Klang
haben. Juliane Werding ist so ein Name: nicht mehr wegzudenken aus der
deutschen Musik-Szene, als Teenager zu flottem Ruhm gelangt, wenige
Jahre später erneut ganz oben in den Charts, weggetaucht und -
erfolgreicher denn je - nun schon seit einer ganzen Reihe von Alben
wieder an der Spitze. Eine durchaus wechselvolle Karriere, wie sie
untypischer nicht sein könnte, in einem Land, das sich traditionell
schwer tut mit Idolen und Idealen, mit Stars und Helden. Juliane Werding
hat diese Rollen stets abgelehnt. Trotzdem ist sie - niemand kann das
bestreiten - zu einem echten Star geworden, dessen Lieder und Texte
Sehnsüchte und Träume eines immens großen Publikums artikulieren.
Denn Juliane Werdings Helden - meist Heldinnen - sind sensibel,
skeptisch, aber immer voller Leben und mit eigener Geschichte und Persönlichkeit.
Wie Juliane? Das wäre einfach und durchaus naheliegend, doch es braucht
mehr als ein wenig Autobiographie (jeder hat sie), um Menschen bei ihren
Träumen und Gefühlen zu packen. Dazu gehört Charisma, Ausstrahlung
und die Glaubwürdigkeit einer Musikerin, die gelernt hat, mit Emotionen
umzugehen und sie durch ihre Interpretation zu formen. Eine filigrane
Balance, die, wenn sie gelingt, die Aussage und Atmosphäre einer
Komposition mit sparsamen Mitteln auf den Punkt bringt. Überzeugungskraft:
Juliane Werdings Musik hat diese Kraft in jeder Zeile, in jeder Melodie.
Eine
Kontinuität, die nicht von ungefähr kommt: Auch bei den Aufnahmen zu
"Zeit für Engel" arbeitete Juliane Werding wieder zum großen
Teil mit Michael Kunze zusammen, dessen Texte ihre Gold-Alben
"Jenseits der Nacht" und "Tarot", wie auch das mit
Platin ausgezeichnete "Sehnsucht ist unheilbar" entscheidend
mitgestalteten. Texte, wie Michael Kunze sie für Juliane Werding
schreibt, entstehen denn auch nicht isoliert "am
Schreibtisch", sondern im Dialog: Interpretieren mag und kann
Juliane Werding nur etwas, das mit ihrer Persönlichkeit und ihren
Gedanken zu tun hat. Zumindest, wenn es so klingen soll, wie es klingt.
Überzeugungskraft: so und nicht anders.
Gerade
deshalb werden viele Hörer, die sich "Zeit für Engel"
nehmen, neue Töne entdecken. Die romantische Komposition
"Vielleicht", eine melancholische Idylle der Erinnerung,
kontrastiert mit "Ich war nicht allein", wo eine Kirche vom
Hort der platonischen zum Ort höchst irdischer Liebe wird. Die
Auseinandersetzung mit Glauben und Kirche - kein Thema für Popmusik? Es
kommt, wie immer, darauf an - und "Wofür" von Julianes neuem
Album ist nur ein Beispiel, wie man sinnfällige Töne für komplexe
Gedanken und Querverbindungen finden kann.
Eine
zerbrochene Familie, einsame Kinder am Rande der schiefen Bahn - auch
kein Thema für Popmusik? "Straße ohne Ende" zeigt, wie man
ohne leitartikelhafte Drohgebärde, aber auch ohne Verklärung heikle
Themen in Song-Form gießen und sie dabei überzeugend und mitfühlend
nachvollziehbar gestalten kann. "Zeit für Engel" - keine Zeit
der reinen Idylle, auch wenn für ehrliche Gefühle immer Zeit ist.
Musikalisch
präsentiert sich Juliane Werding auf "Zeit für Engel"
stilsicher und trotzdem abwechslungsreich. Komponisten wie Hubert Kah
oder Gerd Grabowski, aber auch Nachwuchstalent wie Andreas Bärtels und
Reiner Husel sorgen für klar konturierte Farben auf der Song-Palette.
Und für zwei Kompositionen ("Wofür", "Straße ohne
Ende") griff Juliane Werding auch selbst zur Feder. Ihr neues
Producer-Team, Udo Arndt und Reinhold Heil, harmonierte blendend mit
Julianes stimmlicher Persönlichkeit, die sich auf "Zeit für
Engel" wandelbarer, nuancemreicher und packender als je zuvor
erweist. Gemeinschaftlich schufen sie transparente Klangräume, in denen
die erste Garde der deutschen Musiker (unter anderem Curt Cress/dr,
Peter Weihe/g) pointiert und souverän die solistischen und soundprägenden
Akzente setzten.
Über zwei
Jahre Pause hatte Juliane Werding nach ihrem letzten Album "Tarot"
eingelegt, zwei Jahre, in denen sie sich fast völlig in die private Sphäre
ihrer jungen Familie zurückzog und bewußt wieder eine Zäsur setzte.
Zwei Jahre, in denen sie intensiv an einem Album arbeitete, das zum
vielleicht intensivsten, ausdrucksstärksten und persönlichsten ihrer
Karriere wurde. Themen und Texte, die überraschen. Musik, die durch
sparsame Gesten und schlanke Arrangements von innen leuchtet. Die
Wandlung, die Juliane Werding in den letzten Jahren vollzogen har,
findet hier ihren perfekten Ausdruck. |