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Das
Video zum Titel "Es
gibt kein zurück" gibt es hier.
Juliane
Werding über das neue Album
Es gibt
CD's, die man einfach machen muß. Ein Grund für so ein Muss wäre
vielleicht, dass eine Plattenfirma auf Vertragserfüllung drängt,
obwohl dem Musiker gar nichts einfällt oder er ganz einfach keine Lust
hat. Es gibt aber auch CD's, die man einfach machen muß, weil ein
Übermaß an Ideen und Melodien in die Welt drängt; sie bestehen darauf
verwirklicht zu werden.
Bei mir
hatten sich Textideen und Töne angesammelt, die sich in Liedform
erproben wollten. Ich habe mir zwei Jahre Zeit nehmen können, um dieses
Album zu entwickeln ... langsam, Schritt für Schritt, ohne Termindruck
oder irgendwelche hinderlichen Auflagen, keiner hat mir reingeredet. Das
war eine schöne Zeit und ich hoffe, dass das Ergebnis meinen Hörern
ebenso gefällt wie mir selbst.
Viele
Texte haben einen autobiographischen Bezug, andere kommen aus
Eindrücken, die ich auf meine Weise verarbeitet habe. Persönlich ist
es immer. Wer aufmerksam zuhört, wird zwischen den Zeilen viel
entdecken können, das auf meine Spur führt: mein Denken, mein Fühlen,
mein Wesen. Dennoch glaube ich, dass wir Menschen gar nicht so
unterschiedlich sind, wie wir oft nach außen scheinen. Jeder kennt
Glück, Liebe, Schmerz, Abenteuerlust, Sehnsucht, Tiefen und Abgründe.
Wir haben so viel gemeinsam und das, was uns trennt ist gering.
Ich
wünsche mir, dass wir alle die uns gegebenen Gelegenheiten nutzen,
einander zu erfahren. Wenn wir Aufmerksamkeit, Geduld und Interesse
aneinander mitbringen, kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Wir
erkennen uns in den Anderen. Und was gibt es schöneres als das?
Alles
Liebe

Amelie
Fried über Juliane Werding
Info über
Amelie Fried
Es
gibt Künstler, die kommen nie aus der Mode. Die sind immer zeitgemäß,
aber nie trendig. Die sind mehr bei sich als auf der gerade angesagten
Welle. Und die erzählen uns von sich auf eine Weise, die uns beim Zuhören
zu einem Teil des Erzählten macht.
Seit
über fünfundzwanzig Jahren singt Juliane Werding über das Leben, die
Liebe, über ihre Träume, Ängste und Phantasien. Ihre Musik hat sich
verändert, ebenso wie ihre Texte, aber da auch sie sich verändert hat,
ist sie sich dabei treu geblieben. Bei jeder neuen Platte konnte man
feststellen, wo Juliane Werding gerade stand, an welchem Punkt ihrer
Entwicklung als Persönlichkeit und als Sängerin sie angekommen war. In
ihrem Leben ist die einzige Konstante die Veränderung. Nie ist sie auf
einem Weg geblieben, nur weil er sich bewährt hat. Sie hat die
Herausforderung gesucht, das Neue, das Risiko.
Trotz
ihrer Erfolge als Sängerin hat sie andere Berufe gelernt, hat als
PR-Frau und als Heilpraktikerin gearbeitet, beschäftigt sich mit Tarot,
Buddhismus und spirituellen Fragen. Sie träumt davon, irgendwann
Ethnologie oder Astrophysik zu studieren, und derzeit hat sie das
Drehbuchschreiben für sich entdeckt. Schubladen sind nicht ihr Ding.
Immer, wenn man dachte, nun hätte man sie irgendwo eingeordnet, brach
sie wieder aus. Juliane, die Schlagersängerin? Längst vorbei. Juliane,
die alternativ angehauchte Liedermacherin? Das war einmal. Juliane, die
Vegetarierin? Bloß keine Dogmen. Juliane, die Spöken-kiekerin? Alles
zu seiner Zeit. Juliane ist eine Suchende. Sie sucht ihren ganz persönlichen
Weg, unbeirrt und hartnäckig. Dass sie dabei auch mal scheitert, macht
sie umso glaubwürdiger.
Nie
hat sie versucht, ihrem Publikum vorzuspielen, das Leben sei einfach.
Sie ist kein Star im oberflächlichen, glamourösen Sinn. Sie misstraut
dem schönen Schein. Ihre Lieder sind ihre Erfahrungen und Eindrücke
von der Welt, aber sie spiegeln nicht einfach ihre Wahrnehmung, sondern
verändern sie gleichzeitig. Indem sie aufschreibt, was sie sieht, gibt
sie den Geschehnissen Gestalt und macht sie dadurch fassbar und fühlbar.
Juliane
Werding hat eine ziemliche Strecke zurückgelegt, vom „Tag, als Conny
Kramer starb“ bis zu den Songs auf ihrem neuen Album; den ganzen,
langen Weg vom sechzehnjährigen Mädchen zur reifen Frau. Ihr Blick
aufs Leben ist längst nicht abgeklärt; er ist mal wehmütig, mal
humorvoll, mal träumerisch, mal kämpferisch - eben so, wie sie heute
ist. Die neuen Songs sind unterschiedlich in der Stimmungslage, spielen
mit Musikstilen vom Country-Song über den Blues bis zur Ballade, und
sie alle erzählen Geschichten, in denen wir uns wieder finden können.
„Heute Nacht ist sie ein Mann“ verarbeitet die unter Frauen sehr
verbreitete Phantasie, einmal als Mann eine Frau zu lieben. „Der Hahn
ist tot“ erzählt „nollig“-ironisch von einer Frau, die sich einen
lästig gewordenen
Liebhaber vom Hals schafft. Aus dem Titelsong „Es
gibt kein Zurück“ sprechen die Kraft und der Lebenshunger von
jemandem, der alles hinter sich lässt. Hinter dem scheinbar einfachen
Titel „Das Leben ist schön“ verbirgt sich ein poetischer Song,
dessen Essenz in dem liegt, was er nicht ausspricht. Beim Anhören von
„Schwarzer Mann“ entstehen sofort Kinobilder im Kopf, und
tatsächlich haben Juliane und ihr Co-Texter Andreas Bärtels sich vom
Kinofilm „From dusk till dawn“ inspirieren lassen. Der Song „Snowhite
Baby“ ist Julianes sehr persönliche Erinnerung an einen jungen,
talentierten Künstlerkollegen, der am Heroin zugrunde gegangen ist.
Juliane
ist nie fertig. Es gibt immer etwas zu tun, was sie noch nicht getan
hat. So hat sie im letzten Jahr als Schauspielerin debütiert, im Münchner
Metropol Theater stand sie im Skandalstück „Vagina Monologe“ auf
der Bühne. Eine ihrer typischen Spontan-Entscheidungen. Sie hatte nie
zuvor Theater gespielt, aber ihre langjährige Auftrittserfahrung und
die ausgebildete Stimme sorgten von Anfang an für Bühnenpräsenz. In
einem Crashkurs eignete sie sich etwas „Handwerkszeug“ an - und
sprang ins kalte Wasser. Ihr Mut wurde belohnt: Die Resonanz auf die
Aufführung war gross, die Kritiken positiv.
„Es
gibt kein Zurück“. Dieser unsentimentale Titel des neuen Albums drückt
aus, worum es Juliane Werding geht: Erfahrungen machen, ohne Vergangenem
nachzutrauern. Nach vorne sehen. Die Zeit mit möglichst viel Leben füllen.
Das singt sie. Und das lebt sie. |